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Ostermärchen überzeugt mit viel Musik und Gesang

Kölner Stadt-Anzeiger, 12.03.2018

Kurzer Schreckmoment bei der Premiere des  Ostermärchens im Hänneschen. „Ich habe die Höhner vergiftet. Ich schäme mich so“, verkündete der Speimanes. Doch keine Angst, Henning Krautmacher und Co ist nichts passiert. Die kölsche Band weilt ja auch derzeit zu TV-Aufnahmen auf Teneriffa und nicht in Knollendorf. Dabei hätten deren Hits wohl  berechtigte Chancen gehabt, beim „Eiervision Leed Contäst“ – so der Titel des aktuellen Stücks – auf den vorderen Plätzen zu landen.


„Ein Osterstück zu schreiben, ist noch schwerer als ein Weihnachtsmärchen“, weiß Charly Kemmerling. Der Darsteller des Speimanes pausiert bei dieser Produktion  und saß     im Publikum. „Da sind die vorgegebenen Zutaten mit Osterhase, Huhn und Eiern noch begrenzter.“ Doch Autorin Iris Schlüter hat sich rund um Hase, Huhn und Ei eine wunderbare Parodie auf Gesangswettbewerbe und Castingshows einfallen lassen.

Kleiner Osterhase als großer Star


Dass die Knollendorfer Figuren und die zugehörigen Darsteller „hinger d'r Britz“ eigentlich recht gut singen können, weiß das Stammpublikum. Nicht aber die neu geschaffene und optisch wie sprachlich an Dieter Bohlen erinnernde Puppe des Dieter Kohle – wunderbar flapsig und mit Hamburger Akzent gespielt von Georg Lenzen –, der mit Assistent Karl-Detlef im Mercedes-Cabrio bei seiner Tour über die Dörfer in Knollendorf einfährt, um Nachwuchssänger zu suchen. Bärbelchens Talente reichten höchstens für „Germanys Next Flop Model“, unterbricht er deren Bühnenauftritt; und auch das Hänneschen, das er als Kasperle bezeichnete, singe „schief und falsch“.

Während die erbosten Knollendorfer den Schlagerfuzzy aus dem Dorf jagen, wird der doch noch fündig. Hasenkind Mümmelmotz hatte sich  heimlich  auf die Bühne geschlichen. Statt ein Leben lang Eier zu bemalen, träumt es von einer Musikkarriere und begeistert sowohl den Talentsucher im Puppenformat wie auch das Publikum in den Zuschauerbänken mit einer fetzigen Rock’n’Roll-Nummer. Aus Elvis Presleys „Don't Be Cruel“ macht Mümmelmotz „Sid nit fuul“ und wird engagiert.

„Unser Lied für Lissabon“?

Könnte das nicht auch nach dem schwachen Abschneiden der deutschen Kandidaten beim „Eurovision Song Contest“ in den vergangen Jahren diesmal „unser Lied für Lissabon“ sein? „Schlechter als der Titel, der dort für Deutschland antritt, ist der Song sicher nicht“, sagt Autorin Schlüter und lacht. Noch ein weiteres Lied gilt als hitverdächtig: das von Kapellmeister  Jura Wajda  komponierte Schlusslied „Et röch em Bösch, et Fröhjohr kütt“.
Bis dahin hatte sich auch das Rätsel um die vergifteten Hühner gelöst. Da Speimanes sie mit einem Kakao-Pulver gefüttert hatte, hatten die Hühner mit Bauchschmerzen und Verstopfungen reagiert. Mit Bilsenkraut geheilt, legten sie rechtzeitig zum Osterfest wieder Eier – sogar  Schoko-Eier.

Bei dem lustigen und turbulenten Osterstück, an dem kleine wie große Zuschauer gleichsam ihren Spaß hatten, gab es auch neue und ungewohnte Stimmen zu hören. Während Alexis Berg sich hörbar und überzeugend in Tonfall und Stimmlage des Manes reingearbeitet hat, hatten Michael Danz und Almut Solzbacher, die kürzlich neu zum Ensemble gestoßen waren, ihre ersten Rollen – als Hasenvater und Huhn Berta. Viel Applaus.

Der „Eiervision Leed Contäst“ wird bis 29. März gespielt.  Mittwoch bis Sonntag, 15  und 17.30 Uhr. Am 14. und 21. März  auch  um  10.30  und 13 Uhr.  Karten  (13 Euro/8,50 Euro) an der Theaterkasse oder unter Telefon 0221/258 1201.

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