Freipass. Forum für Literatur, bildende Kunst und Politik

Das Hänneschen-Theater und  die Günter und Ute Grass Stiftung präsentieren den
„Freipass. Forum für Literatur, bildende Kunst und Politik“

Lesung und Gespräch zu Beiträgen des Heinrich Böll anlässlich seines 100sten Geburtstags gewidmeten „Freipass, Band 2“.

 

Die Veranstaltung muss aus organisatorischen Gründen auf den Herbst verschoben werden.

 

Eintritt: 12 € / erm. 8 €

 Karten ab sofort erhältlich im Hänneschen-Theater, unter haenneschen@stadt-koeln.de, telefonisch 0221 258 12 01
Mi – So, 10:00  – 14:00 Uhr

Wir freuen uns auf:

Fridolin Schley (Autor, Lektor, Redakteur),
Volker Neuhaus (Mitherausgeber des „Freipass“ und Grass-Forscher),
Dorothee Römhild (Germanistin, Böll- und Grass-Forscherin),
und die Intendantin des Hänneschen-Theaters Frauke Kemmerling.

Moderation: Kai Schlüter (Kulturchef Radio Bremen und
Herausgeber mehrerer Dokumentationen zu Günter Grass)


„Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu bleiben.“
(Heinrich Böll)

 

Nicht nur diese Aussage hat die beiden großen Schriftsteller und Bürger Heinrich Böll und Günter Grass verbunden. Das Günter Grass-Haus in Lübeck präsentiert aktuell eine umfangreiche Ausstellung zum komplexen Verhältnis der beiden Literaturnobelpreisträger und schreibt dazu:

„ Als Günter Grass und Heinrich Böll sich 1957 bei einer Tagung der Gruppe 47 kennenlernen, ist das der Beginn einer jahrzehntelangen Korrespondenz, die erst mit Bölls Tod ihr Ende findet. Beide teilen die Fronterfahrung des Zweiten Weltkriegs, beide sind nicht nur prominente Autoren, sondern auch engagierte Bürger. Als Personen des öffentlichen Lebens beziehen sie Stellung zu den wichtigen gesellschaftlichen Debatten und erfahren dabei viel Zuspruch, häufig aber auch massive Ablehnung. Beide tragen mit ihrer schriftstellerischen Arbeit und ihrem bürgerlichen Engagement maßgeblich dazu bei, dass nach dem Krieg deutsche Literatur und Kultur im Ausland wieder anerkannt werden. Beide werden schließlich mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Doch noch stärker scheint das Verhältnis der Autoren geprägt von verschiedenen Ansichten, vor allem in politischer Hinsicht. Der Ambivalenz zwischen Gemeinsamkeiten und Unterschieden waren sich beide bewusst und Böll bringt sie in einer Postkarte zum Ausdruck. Darin zeigt er sich erfreut darüber, »daß wir beide – wohl, weil wir so verschieden sind! – zusammengekommen sind«.“

Auch der zweite „Freipass“ der Günter und Ute Grass Stiftung macht seinem Anspruch, ein diskussionsanregendes Forum für Literatur, Bildende Kunst und Politik zu sein, alle Ehre: Im Zentrum steht dieses Mal das Lebenswerk des Schriftstellers und engagierten Zeitgenossen Heinrich Böll, der 2017 hundert Jahre alt geworden wäre. Darüber hinaus setzen sich namhafte Autoren wie Terézia Mora, Thomas Weiss und Sherko Fatah auf ihre ganz persönliche Art mit dem anhaltend aktuellen Thema »Flucht und Vertreibung« auseinander. Ergänzt wird der vielstimmige Band durch Beiträge zur gegenwärtigen Grass-Forschung, Archivexpeditionen und bislang unveröffentlichte Grass-Arbeiten aus seiner Düsseldorfer Studienzeit.

Als Bonusmaterial liegen dem Buch zwei CDs bei, auf denen die Original-Nobelpreisreden von Heinrich Böll und Günter Grass zu hören sind.

Das Titelbild zeigt „Bölls Schreibmaschine“, eine Lithographie von Grass aus dem Jahre 1983. Heinrich Böll stellte Grass für diese Zeichnung seine Schreibmaschine als Modell zur Verfügung und schickte ihm eine Liste der Bücher, die er auf der Maschine getippt hatte.


Das Hänneschen-Theater und die Günter und Ute Grass Stiftung stellen eine Auswahl der Texte vor.

Als einer der Herausgeber des Bandes wird Volker Neuhaus lesen.

Der 1943 geborene Germanist war bis 2008 Professor an der Universität Köln. Neuhaus hat eine Biografie über Günter Grass geschrieben und jahrelang die Werke des Literaturnobelpreisträgers herausgegeben. Der Literaturwissenschaftler hebt stets Grass´ besonderes Verhältnis zur deutschen Sprache hervor. „Grass hatte ein von Liebe geprägtes Verhältnis zur deutschen Sprache. Er liebte es, mit Worten zu spielen und ihre Nebenbedeutungen herauszuhören“. Der Germanist erinnert sich nach seinen Worten besonders gern an die privaten Lesungen von Günter Grass. Der Schriftsteller habe es genossen, seine im Entstehen begriffenen Werke einem kleinen, privaten Publikum zu präsentieren. „Er war begierig auf die Meinung der Zuhörer“. Günter Grass habe Literatur immer auch als eine Kommunikation mit seinem Gegenüber verstanden.


In diesem Sinne soll es eine kommunikative Veranstaltung zu Heinrich Böll und Günter Grass werden. Ein Austausch mit dem Publikum.


Fridolin Schley wurde 1976 in München geboren. Nachdem er seinen Zivildienst in Freiburg/Brsg. absolviert hatte, studierte er Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München (abgeschlossen 2004) sowie Germanistik, Philosophie und Politik in München und Berlin. 2001 - 2005 lebte er in Berlin, 2009/10 in den USA, wo er an seiner Dissertation über das Essaywerk von W. G. Sebald schrieb. Unter dem Titel "Kataloge der Wahrheit" erschien sie im Jahre 2012. Die ersten literarischen Bücher veröffentlichte er noch als Student. Dem Roman "Verloren, mein Vater", der mehrfach ausgezeichnet wurde, folgten die Erzählbände "Schwimmbadsommer" und "Wildes Schönes Tier", der 2007 mit dem Tukan-Preis der Stadt München ausgezeichnet wurde.
2013 erschienen die Erzählungen „Die leuchtende Stadt“ in dem von Maximilian Dorner gegründeten Kollektivportal ‚Autorenedition Sarabande‘, 2014 der Essay-Foto-Band "Die Achte Welt". 2015 gab er das Buch "Fremd" heraus, eine Anthologie gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. 2016 erschien die Novelle "Die Ungesichter". Daneben publizierte er Beiträge für Zeitungen und Anthologien, etwa für das Kursbuch oder die Süddeutsche Zeitung und seit 2008 ist er regelmäßiger Teilnehmer des von Günter Grass initiierten Lübecker Literaturtreffens; 2013 war er Grenzgänger-Stipendiat der Robert-Bosch-Stiftung. Fridolin Schley lebt in München und arbeitet neben dem Schreiben als Redakteur des Literaturportals Bayern sowie als Verlagslektor.

 

Als Moderator konnte der Autor Kai Schlüter gewonnen werden, Kulturchef von Radio Bremen, der schon zu anderen ungewöhnlichen Begegnungen und Seiten von Günter Grass literarisch und als Herausgeber in Erscheinung getreten ist. So z.B. bei der Herausgabe des  „Milch-Märchens“: 1952 treffen sich zwei deutsche Kunststudenten zufällig in Paris: Günter Grass und Karl Oppermann. In Berlin sehen sie sich wieder und studieren gemeinsam an der Hochschule für bildende Künste. Parallel dazu schreiben beide Gedichte. Sie tauschen sich aus, werden Freunde.

Als Oppermann 1955 Reklamechef der Meierei C. Bolle wird, beschäftigt er Grass als Werbetexter. Der ist gerade ohne Brotberuf und muss eine Familie ernähren. Grass textet eine Broschüre zum 75. Firmenjubiläum, schreibt das Treatment für einen Kinowerbespot und weitere Milchwerbung, die allerdings unveröffentlicht bleibt.

Kai Schlüter trägt die veröffentlichten und unveröffentlichten Werbetexte von Grass zusammen und befragt den Autor zu den Vorgängen jener Zeit, die auch in zahlreichen Fotos anschaulich werden.

 

Informationen zur Günter und Ute Grass Stiftung

Die 2011 gegründete Stiftung mit Sitz in Lübeck verfolgt den Zweck, Kunst, Kultur und Bildung sowie Wissenschaft und Forschung zu fördern. Zudem übernimmt sie die Betreuung des künstlerischen und schriftstellerischen Nachlasses von Günter Grass und unterstützt dessen wissenschaftliche Aufarbeitung. Der „Freipass“, der im Verlag Ch. Links erscheint, ist von der Günter und Ute Grass Stiftung als Reihe angelegt. Bisher erschienen zwei Bände. Der erste Band wurde im Frühjahr 2015 vorgestellt, der dritte wird im Frühjahr 2018 publiziert. Redakteur des „Freipass“ ist Dieter Stolz. Herausgeber sind Volker Neuhaus, Per Øhrgaard und Jörg-Philipp Thomsa.